Sonntag, 18. November 2012

Dummheit

Im Prinzip war die letzte Woche eine reine Arbeitswoche. Ich kann also über nichts Interessantes berichten, außer dass ich mir am Montag bei der Arbeit einen kleinen Schiefer eingezogen habe und ich natürlich sofort zu den Krankenschwestern gegangen bin, die ihn mir professionell entfernt haben. Am Mittwoch war ich wohl zum letzten Mal für dieses Jahr im Mittelmeer schwimmen. Außerdem habe ich ein kleines Video von Herzliya zusammengeschnitten. (1.Teil Strand/2.Teil Stadt)



Warum lautet der Titel meines neuen Eintrags aber Dummheit? Ganz einfach wegen der aktuellen Situation. Vor genau 2 Monaten habe ich versucht, etwas darüber zu schreiben, warum der Syrienkonflikt so wichtig ist. Ich habe geschrieben, dass die Lage in Israel sehr ruhig ist und es den Iran-Krieg nicht geben wird und der Iran niemals eine Atombombe auf Israel abwerfen wird. Ich habe das geschrieben, obwohl alle Experten auf Seminaren gesagt, dass es diesen Herbst einen Irankrieg gibt. 
Und wie sieht die Lage jetzt aus? Ich habe mich getäuscht. Es ist in Israel nicht mehr sehr ruhig. Aber ich habe mich nicht so sehr getäuscht wie die Experten. Wo ist der Irankrieg? Es gibt keinen Irankrieg. Aber mit Gaza gibt es Probleme. Warum in diesem Ausmaß? 
Seit Monaten war die Lage in Israel ruhig. Zwar kamen immer wieder Raketen aus dem Gaza-Streifen und Israel hat diese beantwortet (z.B. mit Drohenangriffen), aber es ist nichts eskaliert. So war es auch bis vor wenigen Tagen. Es sind in Israel keine Menschen gestorben, aufgrund der Gaza-Raketen der letzten Monate. Doch nach kleinen Vorfällen an der Grenze (an denen beide Seiten Schuld sind) kommt Israel nun auf die Idee, den Führer der Hamas zu töten. Zielgenau wurde sein Auto aus der Luft getroffen. Aber das hat nicht gereicht. Es mussten weitere Angriffe durchgeführt werden, bei denen Zivilisten in Gaza starben. Warum? Meint Israel es kommen anschlievßend keine Reaktionen? Erst nachdem Israel diesen Angriff durchgeführt hat sind, hat die Hamas in dem Ausmaß reagiert, dass durch ihre Raketen Israelis getötet wurden. Davor kamen zwar Raketen von der Hamas, es sind aber keine Israelis gestorben. Wer ist nun an den toten Israelis Schuld? Und daran das die Situation schlimmer geworden ist? Genau das bezeichne ich als Dummheit. Oder Israel möchte einfach Krieg. Sonst hätte es ja die zahlreichen Soldaten umsonst. Und die irrsinnigen Ausgaben für das Militär auch. Die letzten Jahre waren für Israel wohl einfach zu ruhig. Man hatte keine konkrete Angst. Deswegen musste man die Iran-Lüge erfinden. Und die Angst vor dem Iran hat scheins auch nachgelassen. Also ist es mal wieder Gaza. Und im Januar sind ja auch Wahlen in Israel. Mir wäre es ja eigentlich egal. Aber viele der Freiwilligen bekommen Angst und 3 sind wieder nach Deutschland zurückgeflogen.

Sonntag, 11. November 2012

Neuigkeiten


Diese Woche begann mit dem Besuch einer Behinderteneinrichtung in Kfar Saba, um dort Physiotherapie zu machen. Mit 3 von unseren Behinderten blieb ich für mehrere Stunden dort, weil wir erst nach sehr langer Wartezeit an der Reihe waren. Vor dem Ende meiner Schicht aßen wir vom Haus Carmel noch einen leckeren Kuchen, den eine Mitarbeiterin mitgebracht hatte. Am Abend waren alle Freiwilligen mit ein paar Angestellten vom Büro und dem Chef Moti zum Abendessen bei Odette, einer Kunstlehrerin eingeladen. Weil die anderen keine Lust hatten ging ich nur mit Rahel. Das große und stilvoll eingerichtete Haus befindet sich nur fünf Minuten von unserer Einrichtung entfernt. Als wir ankamen empfing uns Musik von Edith Piaf, ein schön dekorierter Tisch gefüllt mit französischen Köstlichkeiten und die Gastgeberin mit ihren Gästen. Es gab Käseplatten mit verschiedensten Sorten von Französischem Käse, mehrere unterschiedliche Weine, Datteln und vieles mehr. Odette ist in Saarbrücken nach dem Zweiten Weltkrieg geboren, als es noch französisch war. Deutsch lernte sie in der Schule, da Saarland (als letztes westdeutsches Bundesland) seit den fünfziger Jahren zur BRD gehört. Nach ewigen Erzählungen (Rahel und ich sind am Längsten geblieben) machten wir uns dann schließlich auch auf den Heinweg.
Am Dienstag fand schließlich ein Picknick für einen Teil der Behinderten in einem Park in Herzliya statt. Was schon Tage vorher als Picknick bezeichnet wurde stellte sich dann aber eher als Grillabend heraus. Jedenfalls war ich (von Carmel) mit den Mitarbeiterinnen Schlomit von Tavor und Michal von Gilboa nicht für das Grillen verantwortlich. Das machten ein paar Araber, die extra dafür engagiert wurden. Den Behinderten und mir natürlich schmeckte es sehr gut. Zum Abschluss machten die Araber noch eine kleine Musikaufführung.

Michal und Schlomit

Gegrillt wurden Fleischspiesse, Würste und Pita

Außerdem war ich diese Woche mit dem Behinderten Jossi (mit dem ich vor einigen Wochen schon im Krankenhaus war) beim Augenarzt. Am Donnerstag war ich mit einer Mitarbeiterin und 2 Rollstuhlfahrern in einem Cafe im Stadtzentrum. Und obwohl der Rückweg nur sehr leicht bergauf geht, war es sehr anstrengend den Rollstuhl zu schieben.
Freitag und Samstag verbrachte ich bei sehr kaltem Wetter und Regen in Jerusalem. Übrigens: der Blick aus dem Fenster unserer WG sieht zur Zeit so aus:



Sonntag, 4. November 2012

Noch kein Winter

Wie ich von zahlreichen Berichten am Anfang dieser Woche hörte, ist in Deutschland der Winter für kurze Zeit angebrochen. Hier hingegen hält man es selbst im November in der Mittagssonne nur schwer aus. Viel passiert ist in der letzten Woche nicht. Am Sonntag habe ich einen Radausflug bis zur Grenze zu den Palästinensergebieten gemacht. Von uns ist das gar nicht weit: ca. 15km.
Am Mittwoch habe ich Vormittags erneut einen Radausflug gemacht. Eigentlich wollte ich in den arabischen Ort Tira fahren, aber wegen zuviel Verkehr und keinem Radweg fuhr ich nur bis zum "deutschen" Moschaf Sede Warburg.



Abends war ich mit den Behinderten beim Sportprogramm, welches in einem Park in Herzliya stattfand. Fitnessübungen, Fahrrad fahren und Nordic Walking gehörten zu den Disziplinen, die die meisten eher schlecht als recht meisterten. Aber der Spaß und die Bewegung sollte ja im Vordergrund stehen. Und es war interessant zu sehen wie Passanten die Behinderten beobachteten.

Abends am Park: Nach den Behinderten haben die Passanten Fitness gemacht
Am Donnerstag machte ich einen kleinen Ausflug nach Pituach, um mit das Hotel Tadmor anzuschauen, für Besuch von Deutschland. Am Rückweg habe ich jetzt erst bemerkt, dass die Flugzeuge in Herzliya beim Landeanflug nur wenige über der Straße fliegen. Für alle reichen Einwohner bietet die Stadt diesen kleinen Flughafen.

Hotel Tadmor in Herzliya Pituach
Flugformationen über den kleinen Flughafen