Samstag, 29. September 2012

Immer wieder Samstags

... kommt ein neuer Bericht. Leider komme ich meistens erst in den folgenden Tagen dazu, Bilder hochzuladen. Nun bin ich schon einen Monat in Israel und es ist schon über anderthalb Monate her, dass ich zuletzt deutschen Boden betrat. Und bis jetzt war jeder dieser Tage erfolgreich, spannend und lehrreich. Auch diese Woche ist wieder einiges passiert, dass vielleicht so machen interessieren wird. Letzten Sonntag ist Rachel abgefahren und wir sind jetzt, genau wie vorgesehen, zu viert in der WG. Natürlich waren wir auf der einen Seite traurig, aber auf der anderen Seite wäre es Dauer auch keine Lösung gewesen, dass sie im Wohnzimmer schläft. Andere allgemeine Neuigkeiten gibt es nicht, sowohl das Internet braucht noch, bis es repariert ist, außerdem wird es noch dauern bis wir Fahrräder kriegen, bis wir einen Sprachkurs bekommen und bis wir eine Jahreskarte für den Herzliya Country Club erhalten. Man muss sich gedulden. Inzwischen habe ich unseren Fernseher mit Satellitenschüssel so einstellten können, dass wir deutsche Sender empfangen können. RTL, SAT1 und 3SAT ist neben vielen hebräischen, arabischen und russischen Kanälen möglich. Mittlererweile habe ich einige Bilder von der Anreise hochgeladen, die man hier  findet. Man kann sogar teilweise auf der Karte die GPS-Koordinaten der Bilder anschauen und genau nachschauen, wo welches Bild aufgenommen wurde.
Am Montag habe ich dann als einziger Betreuer meiner Gruppe einen Ausflug mitgemacht, bei dem nur 2 Behinderte von unserer Gruppe mitkamen, auf die ich gut aufpassen konnte. Ziel war wieder ein Café an der Strandpromenade von Herzliya Pituach.

Die Behinderten an der Strandpromenade von Pituach

Jeder bekam ein Eis und Getränke nach Wunsch. Mir hat der Ausflug richtig Spaß gemacht und ich finde es auch gut von Rivka, dass sie mich da mitgeschickt hat. Manche von der WG waren noch auf gar keinem Ausflug dabei und ich jetzt schon auf dem zweiten. Dieses Mal waren wir insgesamt 15 Behinderte und 2 Angestellte. Mit dabei war die gebürtige Rumänin Rita, deren Familie nach Israel ausgewandert ist, als sie fünf war. Rita versteht deutsch und arbeitet in einem anderen Haus; nur weil sie einmal als Vertretung in unserem Haus war kannte ich sie schon. Die andere Kollegin, die mit dabei war ist Russin und arbeitet in einer anderen Abteilung in meinem Haus.

Grössere Fotos von den Behinderten darf man wohl nicht veröffentlichen

Nachdem wir allen Behinderten den Mund abgewischt hatten, spazierten wir noch etwas an der beleuchteten Promenade (es wird jetzt schon um halb 6 dunkel!) und stiegen in den Kleinbus, der uns wieder in die Einrichtung brachte. Mit dem Abendessen hat man auf uns gewartet und so bekamen die Ausflügler auch noch etwas.

Von Dienstagabend bis Mittwochabend fand einer der höchsten jüdischen Feiertage statt: Jom Kippur. Viele Leute fasten 24 Stunden und niemand darf Auto/Bus/Taxi fahren, mit Ausnahme von Krankenwagen. Alle Straßen sind an diesem Tag voller Menschen, ganz in weiß gekleidet. Am Versöhnungstag will man seine Schuld loswerden und  danach guten Gewissens in das neue Jahr starten. Unsere Mitarbeiter (die nicht religiös sind) wurden übrigens mit einem Krankenwagenbus von zu Hause abgeholt und zur Arbeit gebracht, anders wären sie nicht ins Levzeller gekommen.

Jom Kippur in Herzliya: Menschen auf den Hauptstraßen, wie überall in Israel an diesem Tag

Aus dem Donnerstag wurde für mich ein sehr langer Arbeitstag. Ein Mitarbeiter musste ins Krankenhaus und deshalb habe ich Morgen- und Abendschicht übernommen. Abends kamen zwei Musikerinnen auf unseren Hof und tanzten und sangen mit den Behinderten. Die meisten lieben Musik. Itai, ein etwas jüngerer Behinderter ist bei mir und hört jeden Tag verschiedene CD's. Von israelischen Interpreten wie Shiri Maimon und Moshe Ben Ari bis hin zu klassischer europäischer Musik von Beethoven, Mozart und Tschaikowsky. Immer begleitet von Körperbewegungen im Rhythmus der Musik. Und Itai freut sich immer , wenn ich den Interpreten kenne - wobei ich da meistens nur einen kurzen Blick auf das CD-Cover werfen muss. Nach der Musikvorstellung im Hof gab es Falafel zum Abendessen und als Nachtisch Eis. Meine Kollegin war mal wieder besonders großzügig: sie hat mich in die Küche gerufen und mit dort eine große Schüssel voller Falafelkugeln und Hummous gefüllt. Außerdem gab sie mir Eis, für die anderen, die keine Schicht hatten. Das Eis gab es nur für die Behinderten und nicht im Personalraum - und so brachte ich alles schnell in die Wohnung und die Freude in der WG war groß. Ich musste aber noch meine Schicht beenden.
Verhungern müssen wir hier wirklich nicht. Obwohl das Essen nicht unbedingt das Beste ist (aber meistens ist mindestens eine Mahlzeit am Tag gut), mag ich es. Für die Behinderten ist z.B. das Gemüse recht weichgekocht und das Fleisch sehr zart. Das gleiche Fleisch gibt es auch für die Mitarbeiter. Ansonsten bekommen wir zusätzlich zu den 3 Mahlzeiten, die wir JEDEN Tag einnehmen können, egal ob wir arbeiten, oder nicht, noch ein Essenspaket pro Woche. Brot, Milch, Eier, Hummous, Frischkäse, Obst, Gemüse, Cornflakes... Da kann man sich z.B. etwas an den Strand mitnehmen oder für Ausflüge einpacken. Man kann aber auch zum kleinen Speiseraum für die Mitarbeiter gehen und von dort das Essen einpacken und als "Lunchpaket" zu einem Ausflug mitnehmen. Das klingt alles so, als hätte man hier keine Ausgaben; leider ist das Gegenteil der Fall. Die Busfahrten summieren sich schnell, außerdem zahlt jeder 50 NIS (10€) pro Monat in die WG-Kasse ein, von der Kabapulver oder allgemein nützliches gekauft wird. Eine Packung Kekse kostet knapp 3€, Bäckereien sind auch teuer, eine Pizza Magharita zum Mitnehmen kostet 10€. Und das ist überall in Israel so. Sobald man jemanden besuchen geht oder einen Ausflug macht, geht das Geld weg wie nichts. Ohne, dass man sich Luxus oder dergleichen leistet.

Genug gejammert. Am Freitag fuhr ich nach Rischon Le Zion, der viertgrößten Stadt Israels, um andere Freiwillige zu besuchen. Max, Daniel, Flo und David wohnen in einer relativ großen Wohnung in einer Siedlung etwa 10 Minuten zu Fuß von ihrer Arbeitsstelle entfernt. Bis jetzt haben sie keine Möbel und keine Klimaanlage, dafür aber im Gegensatz zu uns einen Backofen.

Ausblick: Wohnviertel in Rischon Le Zion

Abends spazierte ich mit Daniel durch Rischon, wo natürlich dank Schabbat alle Geschäfte geschlossen hatten. Bis Schabbatende am frühen Samstagabend blieb ich bei ihnen. Wir unterhielten uns über die Behinderten, die bei ihnen schwieriger sind als bei uns, denn in der Einrichtung in Rischon leben Autisten. Ich hatte sogar Gelegenheit, einen kurzen Einblick in die Einrichtung zu bekommen. Alles ist viel kleiner als bei uns. Im Prinzip ist sind es zwei Häuser, die sich nicht von Wohnhäusern unterscheiden und mitten in einem Wohngebiet gelegen sind.
Anschließend fuhr ich nach Jerusalem zu meiner Tante. Beim Umsteigen in Tel Aviv traf ich zufällig Jacques, einen Freiwilligen der in Jerusalem arbeitet. Und als wir gemeinsam in der heiligen Stadt ankamen, begann es sofort in Strömen zu regnen. 

Samstag, 22. September 2012

Rosch HaSchana


Am Sonntagabend waren wir zu Rosch Ha Schana bei einer Familie eingeladen, die eine Behinderte pflegt, welche halbtags bei uns in Levzeller untergebracht ist. Für die häusliche Pflege ist die philippinische Hausangestellte veranwortlich. Um 19 Uhr wurden wir also abgeholt und standen gleich im Stau. Jeder fährt um diese Uhrzeit zum Neujahrsessen bei Familie, Verwandten oder Freunden. Das Haus der Familie ist in einem Moschaf, ca. 10 km nördlich Herzliyas gelegen. Freundlich wurden wir durch die Großfamilie begrüßt und nach einigen aufgesagten Gebeten ging es ans Essen.

Nur ein Teil aller Speisen ist im Bild!

Eine Suppe mit Fleischpflanzerln stellte die Vorspeise da. Danach wurde alle möglichen Hauptspeisen aufgetischt, von denen sich jeder so viel nehmen konnte, wie er wollte. Gefillte Fisch, Fischfilet, Rinderbraten mit Kräutern, Schnitzel, Leberpastete, Ochsenzungen, gefüllte Paprika... Als Beilagen wurden jede Menge verschiedener Salate zubereitet, wie Auberginensalat oder süßer Salat mit Äpfeln, Honig und Nüssen. Die Menge wäre für die doppelte Anzahl an Leuten noch zuviel gewesen! Abschließend gab es verschiedene Kuchen, Eiskonfekt und Schokolade als Dessert. Vollkommen gesättigt saßen wir noch weiter auf der Terrasse, denn es gab nun Kaffee und Tee. Für lustige Momente sorgte immer wieder die 1 ½ Jahre alte Enkeltochter des Gastgebers, die sich nach dem Essen die ganze Schokolade im Gesicht verschmierte. Bevor wir wieder nach Hause gefahren wurden, bekamen wir sogar noch kleine Geschenke: belgische Trüffel und eine Tasse.

Süüüüüüss!

Die nächsten beiden Tage hatte ich frei und war am Strand sowie Ewigkeiten mit Rachel gemeinsam nach Flip-Flops schauen, weil meine ausgerissen sind. Leider war die Suche vergeblich. Entweder übertrieben teuer oder die Schuhgröße zu klein.

Nichts außergewöhnliches passierte am Mittwoch und Donnerstag. Beide Male arbeitete ich zur Frühschicht. Am Donnerstagabend machte sich die WG auf zum Abschiedsessen für Rachel. Wir gingen in ein Pancake-Restaurant. Hier gibt es die dicken, süßen und ungesunden Pfannkuchen in allen möglichen Varianten. Mit Nutella, Eis, Nüssen, Sahne, Marmelade oder pikant mit Ei und Käse. Schlecht hat es nicht geschmeckt. Aber haute-cuisine ist etwas anderes. Anschließend fuhr Rachel wieder nach Hause und Rahel, Hanna und ich fuhren nach Tel Aviv, wo wir schließlich um 0 Uhr ankamen und gleich in die belebte Rothschild Boulevard gingen. Wir trafen Stefan, Maira, Almut, Linda, Henriette und Caroline, mit denen wir die Nacht verbrachten. Dummerweise musste ich im Gegensatz zu den anderen am nächsten Tag arbeiten. Um 5 Uhr waren wir total übermüdet in unserer WG (das Sicherheitspersonal von Levzeller arbeitet 24h und hat uns natürlich aufgemacht). Um 6 Uhr duschte ich mich, trank 2 Tassen Kaffee mit jeweils 3 gehäuften Löffeln und eine halbe Stunde später weckte ich schon die Behinderten. Den ganzen Vormittag war ich übermüdet. Und nach Dienstende schlief ich bis zum Abendessen.

Samstags hatte ich wenigstens Spätschicht. Da die Klimaanlage in unsere Abteilung nicht einwandfrei lief, zeigte Sergej seine handwerklichen Fähigkeiten. Mit russischem Geschick und begleitet vom Lachen der Behinderten hat er es wirklich geschafft. Obwohl morgen Herbstbeginn ist, hat es hier in den letzen Monaten keinen Tropfen geregnet und mehr als eine handvoll Wolken sind nie am Himmel zu sehen. Man braucht also auch Ende September durchaus eine Klimaanlage. Vor 2 Tagen habe ich mich übrigens mit meiner Chefin Rivka unterhalten, ob sie nicht noch mehr Hilfe brauchen. Das hat sie natürlich sehr gefreut. Heute half ich dann auch noch bei Abteilung Nummer 5. Ganz kurz zur Übersicht: im Levzeller gibt es vier Häuser. Jeder von unserer WG ist in einem anderen Haus, nur Rahel ist in meinem Haus, weil das das größte ist. In jedem Haus gibt es Abteilungen. Bei uns ist die 1. und 2. im Erdgeschoss. Dort arbeitet Rahel. Mit den Behinderten habe ich nichts zu tun. Und meine Arbeitskollegen auch nicht. Wir sind für Abteilung 3, 4 und 5 zuständig, welche sich im 1. und 2. Stock befinden und auch per Aufzug (wegen den Rollstuhlfahrern) erreichbar sind. Mein Schwerpunkt ist in der Morgenschicht Abteilung 4 (mit sehr aktiven und lauten, dafür aber selbstständigeren Behinderten) und Abends Abteilung 5.
An Schabbat verbringen alle den späten Nachmittag auf dem Hof. Und folgendes Ereignis möchte ich gern noch erzählen: Während alle auf dem Hof sich unterhielten oder warteten kam Rachel, um noch mal alle zu sehen, obwohl sie keinen Dienst hat. Morgen kommen ihre Eltern und sie wird Levzeller verlassen. Natürlich fällt ihr der Abschied schwer und sie ist traurig. Rivka tröstete sie und musste dann auch weinen. Nachdem Rachel zu unserer Wohnung ging, rief mich Rivka und meinte, dass ich zu Rachel gehen und sie trösten soll. In unserer Wohnung war Rachel dann gar nicht mehr so traurig, aber sie erzählte mir, dass Rivka meinte, dass sie auch traurig sei, dass sie (Rachel) wieder nach Deutschland geht. Aber Rivka, so Rachel, hat auch noch gemeint wie glücklich sie ist, dass mich (David!) hat, und darauf dann auch geweint. Obwohl Rachel eigentlich nichts mit Rivka zu tun hat, unterhalten sich beide oft und Rachel hat mir verraten, dass Rivka ständig von mir schwärmt. Und so etwas hört man doch gerne! Rivka hat wir diese Woche übrigens einen Kuchen und Süßigkeiten geschenkt. Einfach so!

Nach dem Abendessen duschte ich einige Behinderte, wechselte Windeln und zog ihnen die Schlafkleidung an. Und so endete die Woche. Heute Nacht ist Zeitumstellung und damit sind wir dann für ungefähr einen Monat mit Deutschland in der gleichen Zeitzone.

Samstag, 15. September 2012

You are so lovely!


Total verschnuft und hustend wendete ich mich im Bett. Es war Sonntagmorgen, der Beginn einer israelischen Woche. Nein, nicht irgendeiner, sondern der Anfang meiner ersten Arbeitswoche! Mir war so übel und ich hatte überhaupt keinen Hunger in der Früh. So schlecht ging es mir in den letzten Jahren selten. Auch beim Mittagessen blieb ich liegen. Um 14 Uhr nahm ich meine letzte Kraft, zog mir einen Schal an (bei 33°C im Schatten) und ging über den Hof in meine Abteilung. Ich konnte nicht anders. Unbedingt wollte ich wissen wie die Arbeit ist, wie meine Kollegen sind und wie sich die Behinderten verhalten. Nach wenigen Treppenstufen bin ich in die erste Etage gelangt. Direkt vor mir lag nun der kleine Raum, wo sich die Mitarbeiter meiner Abteilung treffen, um Kaffeepause zu machen. Herzlichst wurde ich von allen Seiten begrüßt. Rivka, so heißt meine Chefin, meinte, dass sie meine Mutter sei und falls ich irgendwelche Probleme habe, solle ich ihr sofort Bescheid geben. Natürlich sahen alle, dass es mir nicht gut ging und deshalb machte mir meine äthiopische Arbeitskollegin Riki gleich einen Tee mit Honig. Wir schrieben Namensaufkleber, damit ich die Namen der Behinderten lernen kann. Jeden der ca. 25 Behinderten meiner Abteilung begrüßte ich und sagte dabei immer den jeweiligen Namen. So unterschiedlich die Art der Behinderung ist, so unterschiedlich waren auch die Reaktionen. Einer konnte zwei Wörter Englisch sprechen, manche können gar nicht sprechen, sondern geben nur Laute, vergleichbar derer kleiner Babys von sich und der Rest spricht nur hebräisch. Manchmal mehr verständlich für die Mitarbeiter, manchmal einfach nur vor sich hin redend wie Kleinkinder. Um kurz vor 4 schob ich die Behinderten, die im Rollstuhl sitzen, über den Hof in den Speisesaal. Dort bekommen sie um diese Zeit immer Tee. Als ich den letzten wieder zurück in unser Haus gefahren habe, hörte ich schönen Gesang und Musik aus dem großen Aufenthaltsraum. Eine Mädchen, vielleicht ein paar Jahre älter als ich, spielte Lieder für Rosch ha-Schana, denn das jüdische Neujahrsfest steht vor der Tür. Obwohl ich mich immer noch miserabel fühlte, setzte ich mich dazu. Ich konnte auch gar nicht anders. Sie lächelte mich an und animierte, mit zu klatschen. Danach erzählte sie Geschichten, bei denen die Behinderten z.B. Vogelbewegungen mit den Armen machten oder das Summen einer Biene imitierten. Später malten wir dann noch Bilder aus, natürlich mit Neujahrsmotiven wie Honig und Äpfel. Allen hat es eine Menge Spaß gemacht. Und erstaunlicherweise ging es mir danach besser. Mir war nicht mehr schlecht. Doch als wir draußen in der Hitze vor dem Speisesaal warteten, begann mir kalt zu werden. Bei über 30°C hatte ich eine Gänsehaut und fror. Wie viel Fieber ich in diesem Moment hatte, möchte ich gar nicht wissen. Natürlich hätte ich zu unseren russischen Krankenschwestern gehen können, die Mittel gegen so ziemlich alles haben, aber das werde ich nur machen, wenn ich etwas wirklich Schlimmes habe. So aber konnte ich sogar etwas zu Abend essen. Gleich danach legte ich mich ins Bett. Mit meinem ersten Arbeitstag konnte ich wirklich zufrieden sein.

Nun möchte ich vom Dienstag erzählen, weil ich am Montag vormittags nur geschlafen habe und mich auch während der Arbeit am Nachmittag etwas ausruhen konnte. Meine Chefin Rivka hat mir erzählt, dass wir an diesem Dienstag schon einen gemeinsamen Ausflug machen werden. So kam es, dass wir mit einem Teil unserer Gruppe und einem Teil einer anderen Gruppe gegen 17 Uhr Levzeller verließen. Vor der Tür stand ein Kleinbus bereit, der uns zur Strandpromenade nach Herzliya Pituach brachte. Kurz nachdem wir angekommen sind, kam ich schon ins Staunen. Wir fuhren mit dem Aufzug zur Strandpromenade! Der Aufzug hat ein Fenster, durch das man die ganze Küste sehen kann. Davon lässt sich natürlich jeder begeistern! Gemeinsam mit den Behinderten saßen wir dann in einem Strandcafé. Jeder bekam ein leckeres Eis und Getränke nach Wunsch. Nun machten ein Teil einen kleinen Spaziergang, bei dem wir gut aufpassen mussten, dass niemand wegläuft. Mit dem Sonnenuntergang holte uns der Kleinbus wieder ab und die Behinderten wurden gewaschen und ins Bett gebracht.

Am Mittwoch hatte ich zum ersten Mal Frühschicht. Mir wurde gezeigt, wie man beim Duschen hilft und wer genau welche Hilfe benötigt. Bis auf Rivka können meine Kollegen alle nur hebräisch sprechen. Aber das macht überhaupt nichts. Bis auf einen sind alle super nett und herzlich. Wer mal wieder obercool und einfach nicht besonders freundlich rüberkommt, ist der einzige israelisch Mann in meiner Abteilung, der ungefähr Anfang 30 ist. Er tut oft so, als ob ich Luft wäre. Bis jetzt musste ich nur einmal mit ihm zusammenarbeiten. Aber der Rest der Kollegen gehört sicher zu den nettesten Menschen, die ich überhaupt kenne. Sie geben sich Mühe, dass man sich wohlfühlt, bringen einem etwas zu trinken und Süßigkeiten, fragen ob alles in Ordnung ist, usw. Schon von weitem lächeln sie einen an, freuen sich und begrüßen einen.  In der Frühschicht bin ich an diesem Tag gleich beim Essen helfen dabei gewesen. Vor jeder Mahlzeit bekommen die Behinderten Einwegschürzen umgebunden. Außerdem gibt es Getränke mit und ohne Zucker, die man je nach Person unterschiedlich verteilen muss. Manche werden gefüttert, andere können selbstständig Essen, wobei natürlich jede Menge daneben geht. Mal landet etwas auf dem Boden, mal geht was in die Haare, mal tropft trotz der Schürze etwas auf die Kleidung. Bis schließlich alle fertig gegessen haben vergeht einige Zeit. Wir putzen sie mit Erfrischungstüchern und entfernen die Plastikschürzen. Nun verlassen die Behinderten den riesigen Speisesaal und warten draußen auf dem Hof (natürlich unter Aufsicht). Währenddessen können die Angestellten im angrenzenden Personalraum essen. Oft sieht man die anderen der Wg beim Essen wieder, obwohl jeder zu einer anderen Zeit kommt. Zum Frühstück gibt es immer Weißbrot, Tomaten/Gurkensalat, flüssigen Frischkäse, Ei und Houmus. Abgewechselt wird praktisch überhaupt nicht. Nur das Eier manchmal in gekochter Form, manchmal als Spiegelei oder als Rührei zubereitet werden. Aber damit habe ich wirklich kein Problem. Als Einziger von unserer WG liebe ich das Weißbrot, das nach nichts schmeckt. Morgens, Mittags und Abends gibt es dieses Brot als Beilage. Nach dem heutigen Frühstück sind wir mit den Behinderten zum Plastikmesser sortieren gegangen. Immer 20 Messer werden von den Behinderten in eine Holzform gesteckt. Sind 5 dieser Formen fertig aufgefüllt, füllen wir Betreuer diese dann in Plastiktüten und wiegen nach, ob die Anzahl stimmt. Später werden die Plastikmesser in Supermärkten verkauft. Zum Mittagessen waren wir mit einer riesigen Menge fertig. Und gleich wurde ich auf eine sehr harte Probe gestellt: Mittags dürfen die Mitarbeiter unserer Gruppe nicht im Personalraum essen, sondern müssen es direkt neben den Behinderten tun. Neben einem wird dann das Essen ausgespuckt und durch die Haare geschmiert, und dabei soll man sein eigenes Essen genießen. Aber auch das hat mir keine Probleme bereitet. Für einen kleinen Mittagsschlaf bringt man die Behinderten anschließend ins Bett. Und schon ist die „Frühschicht“ geschafft, welche bei mir von 6:30 Uhr bis 13:30 Uhr geht. Das Gute daran ist, dass man den ganzen Nachmittag und Abend zur freien Verfügung hat. Genutzt haben wir das heute für einen Strandausflug.


Unsere WG: Rachel fehlt auf dem Bild, sie bleibt aber nur noch 2 Wochen



Mit Nathalie und Rahel am Strand

Donnerstag habe ich (wie ab jetzt wohl immer) in der Früh gearbeitet. Für die Behinderten haben die Tage immer den selben Rhythmus zu den selben Uhrzeiten. Die Aktivitäten werden aber oft abwechslungsreich gestaltet. In unserer Einrichtung gibt es einen Musikraum, ein Kaffeeraum (der wie ein kleines Café ist, aber nur selten aufgesucht wird), einen Malraum, einen Webraum, das Sortierzimmer für die Plastikmesser, ein kleines Hallenbad und einen Stall mit Kaninchen, Hunden und Vögeln auf dem Hof. Heute waren wir aber in unserem Haus und die meisten schauten Fern. Zwischendurch versuchen einige im Aufenthaltsraum Rosch Ha-Schana Lieder zu singen und klatschten Laut. Nachmittags ging ich gemeinsam mit Nathalie in die Sokolov Straße, wo wir einen Geschenkkorb für die Familie kauften, die uns zu Rosch Ha-Schana einlud. Übrigens haben wir auch so einen ähnlichen Korb von unserem Chef Moti für die WG bekommen. Mit ganz viel Schokolade gefüllt!

Am Freitag hat sich Besuch aus Jerusalem und dem Kibbuz Givat Brenner angekündigt. Morgens duschte ich alleine einige Behinderte, half ihnen beim Anziehen und rasierte die Männer. Endlich konnte ich den Mitarbeitern mal etwas Arbeit abnehmen! Die Mitarbeiter haben hier übrigens alle keine Ausbildung (aber ich finde Erfahrung ist wichtiger) und sie werden wohl noch ihr ganzes Leben die Arbeit machen. Ich habe jede Menge Respekt für diese Tätigkeit. Genau wie in Deutschland sind die sozialen Berufe in Israel schlecht bezahlt. - Was sich hier ein Mitarbeiter pro Jahr hart verdient, kann ein Nahrungsmittelspekulant oder ein Aktionär eines Bekleidungskonzerns, dass Kinder arbeiten lässt, an guten Tagen doppelt gewinnen. - Vormittags war ich heute mit einer Kollegin und ein paar Behinderten im Park, der gerade über die Straße bei uns liegt. Wieder ertönten einige Rosch Ha-Schana Lieder, von denen ich bei manchen jetzt schon eine Passage mitsingen kann. Aber natürlich nicht verstehe. Nach dem Mittagessen kam Rivka (die Chefin) in unserem Haus zu mir, mit einer Hand voller Schokowaffeln und in der anderen leckere kleine Schokotafeln. Ob ich etwas brauche oder nicht zufrieden bin, fragte sie. Sie ist zwar meine „Chefin“ aber fühlt sich dadurch nicht besser oder eine Stufe höher, sondern schaut einfach, dass es allen gut geht. Nachdem ich die Schokolade genossen habe, meinte sie das ich nach Hause kann. Zulange arbeiten musste ich wirklich noch nie! Nun kam auch schon der Teil unserer Gäste aus Jerusalem. Wir nahmen einen Bus zum Strand, wobei wir dieses Mal kurz vor der Marina aussteigen, um den Jerusalemern unsere reiche Stadt zu zeigen. 


Strandpromenade von Herzliya

Riesige Motoryachten und Segelboote liegen gut bewacht im Hafen. Vor dieser Kulisse befinden sich Restaurants, Bars und Geschäfte. Immer am Meer entlang gehend, suchten wir uns dann eine ruhige Stelle zum Baden. Doch das Vergnügen hatte gleich nach Sonnenuntergang in doppelter Hinsicht ein Ende: Busse fahren nicht mehr und in ein Taxi würden wir nicht hineinpassen. Also gingen wir über 1 ½ Stunden vom Strand zu unserer Einrichtung zurück. Mir ist es unerklärlich wie lang sich eine Stadt ziehen kann, die nur 74.000 Einwohner hat. Naja, wir hatten in Pituach wenigstens die Gelegenheiten die Villen zu betrachten, die teilweise wirklich beeindruckend sind. Zu Hause angekommen aßen und tranken wir etwas. Dabei erzählte jeder von seiner Arbeit, seiner Wohnung und der Umgebung. Alle sind eigentlich relativ zufrieden. Sowohl die in Jerusalem, als auch die im Kibbuz.

Selbst am Samstag, also dem israelischen Ruhetag, waren alle Mitarbeiter inklusive Chefin da. Nach dem Frühstück ging ich mit Sergej, meinem supernetten russischen Kollegen und den fitteren Behinderten zum Pool. Manche können richtig gut schwimmen und tauchen, andere planschen eher im niedrigen Teil. Als wir wieder in unserem Haus waren, erzählte Rivka Einiges von den Lebensgeschichten der Behinderten und darüber, was schon alles passiert ist. Später sagte sie dann noch wie gut sie es findet, dass ich für ein Jahr bei ihnen helfe und das gerade die Äthiopierin und der Russe wissen, wie schwer es ohne Sprachkenntnisse ist. Aber Rivka konnte nicht aufhören, Nettes zu mir zu sagen und meinte schließlich: „You are so lovely! Everyone of our workers says that you are lovely!“. Und ich habe mich so darüber gefreut, in welcher Art sie das gesagt hat. Ich bin überglücklich hier gelandet zu sein, und das denke ich mir jeden Tag wieder. Nichts zum Meckern. Wann hatte ich das das letzte Mal bei uns, dass einfach alles super läuft. Der übriggebliebene Schnupfen und Husten ist da lächerlich, so etwas ist kein Problem. Am Ende meiner Schicht wünschten wir uns gegenseitig ein gutes neues Jahr, weil Rivka morgen nicht arbeiten wird.
Den WG-Nachmittag nutzten wir für den Hausputz, da die Putzfrau aus irgendeinem Grund gestern nicht kam. Außerdem machten wir die Wäsche, die wir immer zu den großen Waschmaschinen bringen und genau auf die Zeit schauen müssen, damit sie nicht eingeht. Trockner haben wir auch – genauso wie eine Wäscheleine. Während die anderen am Abend plötzlich aus heiterem Himmel die Idee bekamen auf eine Party für Schwule in Tel Aviv zu gehen, verbrachte ich die Zeit lieber mit Ausruhen.  


Roy (Bekannter Nathalies), Nathalie, Rachel, Hanna und Rahel vor der Fahrt nach Tel Aviv

Samstag, 8. September 2012

Herz♥liya


Am Mittwochabend (05.09.) kamen wir also im Maon Levzeller in Herzliya an. Schnell stellten wir das Gepäck in unsere WG, die direkt neben der Einrichtung liegt. Im Personalraum bekamen wir gleich etwas zu essen. Natürlich begrüßten uns die Angestellten und die Behinderten. Manche wollte die Hand gereicht haben, andere sprachen uns auf hebräisch an, was wir leider nicht verstanden. Danach wurde es noch spannender. Wir hatten endlich Zeit, unser neues zu Hause anzuschauen. Rachel, die Freiwillige, die schon seit einiger Zeit hier ist, hatte uns zuvor erzählt, dass die Vorgänger ein riesen Chaos angerichtet hatten und die WG total heruntergekommen war. Extra für uns wurde sie vor einer Woche renoviert! Was für ein Glück! Alles ordentlich und relativ sauber. Nur leider gibt es ein Problem: Wir sind zur Zeit 4 Mädels und 1 Junge. In der WG gibt es 2 Doppelzimmer, eine kleine Kammer und ein Sofa zum Schlafen im Wohnzimmer. Rachel, die im Oktober abreisen wird, bleibt auf dem Sofa. Und jetzt die Frage – wie macht es der Rest? Die Kammer wollte mir niemand zumuten und schließlich mussten wir nicht lange diskutieren. Rahel und Hannah nehmen das Zimmer mit Blick zum Hof, Nathalie geht mit mir in den Raum gegenüber. Ja. Es wird auf Dauer sicher nicht leicht. Jeder erwischt irgendwann einen schlechten Tag. Ist mal krank, mal traurig, mal überarbeitet oder will einfach seine Ruhe. Aber noch verstehen wir uns gut :)

Ordnung muss sein: Links mein Bett, rechts Nathalies

Wie alle meiner Mitbewohnerinnen ist Nathalie total nett, intelligent und vernünftig. Die Atmosphäre in der WG stimmt also, im Gegensatz zu unseren Vorgängern, wie man uns erzählte. Diese haben sich nicht gut verstanden, ein Teil ist schon früher abgereist und der Zustand der Wohnung war dementsprechend. Ich möchte so etwas nicht! Ich werde alles Mögliche dazu tun, das wir uns gut verstehen! Und das die WG ordentlich bleibt!

Herzlich willkommen: unsere Begrüßung in Herzliya

Übrigens: Leider befindet sich momentan eine Baustelle auf dem Gelände der Einrichtung. Unsere Internet und Telefonverbindung funktioniert erst wieder in ein paar Tagen. Bis dahin müssen wir auf dem Hof ins Internet. Es kann also sein, dass ich nicht immer sofort antworte, auch wenn ich eine E-Mail/Nachricht schon gelesen habe. Auch bis ich die ganzen Bilder/Videos auf meinen Blog hochlade, dauert es noch!

Donnerstag bekamen wir eine kleine Rundführung von Moti, unserem Chef, durch die Einrichtung. Insgesamt gibt es vier verschiedene Häuser mit Behinderten. Eingeteilt wurde ich in das Haus der Rollstuhlfahrer, die natürlich viel Hilfe benötigen.
Gleich am Nachmittag sind wir durch die 84.000 Einwohner zählende Stadt Herzliya spaziert. Nicht weit von uns ist das Stadtzentrum mit kleinen Geschäften, Supermärkten, Restaurants, Bäckereien etc. Mit dem Bus in einer halben Stunde zu erreichen ist Herzliya Pituach, das Nobelviertel der Stadt. Hier wohnen Botschafter und Geschäftsleute. Es gibt teure Hotels, Bars, eine Marina und eine Strandpromenade. Abends bin ich übrigens alleine nach Jerusalem (ca. 2 Stunden Fahrt wegen umsteigen) gefahren, um noch mein restliches Zeug von meiner Tante abzuholen. Freitag früh war ich auf dem Markt Mahane Yehuda in Jerusalem, um etwas einzukaufen. Bei uns in Herzliya gibt es leider keine vergleichbaren Märkte, dafür eben große Supermärkte.
Das größte Problem in Israel ist immer wieder der Schabbat, der jüdische Ruhetag. Von Freitag am frühen Abend bis Samstagabends fahren keine öffentlichen Busse. Zur Fortbewegung muss man entweder ein teures Taxi nehmen, oder ein Sammeltaxi, dass etwas günstiger ist, aber dafür nicht überall fährt. Um diese Unannehmlichkeiten zu vermeiden fuhr ich schon mittags nach Herzliya zurück. Genau in dem Moment, als ich die WG betrat, sah ich einen netten Zettel auf dem Tisch und Rachel bestätigte, dass die anderen am Strand sind. Blitzschnell stellte ich alle Sachen ab, packte Handtuch und Badehose ein und nahm den nächsten Bus zum Strand. Für ca. 1,20€ kommt man in einer halben Stunde zum Strand. Mit dem Fahrrad würde es nicht viel länger dauern, weil der Bus ein paar Umwege nimmt. Da stellt sich gleich die Frage: Wann bekommen wir endlich Räder? Noch ist das nicht geklärt. Die alten Fahrräder sind kaputt und in nächster Zeit stehen hier viele Feiertage an. Bis etwas organisiert wird, kann also noch eine Weile vergehen. Nun ja, ich machte mich auf die Suche nach den Mädels, spazierte immer am Strand entlang, bis ich sie fand. Endlich in das erfrischende Meer springen, Sonnen und am Strand liegen. Wunderschön ist er, unser Strand. Will man feinsten Sand, so sucht man den Abschnitt in Richtung Yachthafen und Hotels auf. Wir aber haben uns am ruhigeren Strand entspannt, der in immer steiler werdenden Felsen endet. Meeresrauschen, die strahlende Sonne, ein leichter Wind – wie im Paradies. Doch nicht mit den Jungs hier! Ich muss es jetzt machen, seit 2 Wochen bin hier in Israel und habe mich so oft geärgert, dass ich jetzt darüber schreibe. Über die jungen Männer. Dieses Mal waren es zwar Araber, aber dieses Verhalten würde z.B. in Syrien kein Araber vorzeigen. Aufdringliches Ansprechen von Mädels. Fotos machen. Anfassen. Manchmal denke ich, ich bin im falschen Film. Aber ich fasse einfach mal kurz zusammen:

Obercool, arrogant, laut und nicht sehr taktvoll. So sind 80% der jungen israelischen Männer. Es gibt zwar Ausnahmen, aber die gibt es selten. Egal wie gut sie aussehen mögen, ihre Art ist billig und geht mir richtig auf die Nerven. Man wird im Geschäft nicht bedient bzw. im Schneckentempo. Im Allgemeinen spürt man Gleichgültigkeit in Gesprächen, die im Prinzip nur aus wenigen Wörtern bestehen und gestellt wirken, sobald (deutsche) Mädels in der Nähe sind. Und es ist vollkommen egal wie attraktiv diese Mädels sind, oder ob sie sich interessiert zeigen oder nicht. Es wird angesprochen und genervt und zwar auf eine dermaßen billige Art, dass ich mich echt frage, ob das hier der 50-jährige Hakan am türkischen Strand mit einer Europäerin ist, oder wir in Israel sind. Die israelischen Frauen wissen genau, wie man so etwas entweicht. Immer geradeaus blicken. Überall wo man in Israel durch die Straßen geht, sieht man alle Leute gerade nach vorne schauen. Die nächste Situation erzähle ich auch noch: Busfahrt in Herzliya. Ich sitze neben meiner Zimmerpartnerin und ein vielleicht Ende 30-jähriger Mann ist vor uns. Die Augen starrten und starrten die ganze Zeit auf Nathalie, die aus dem Fenster schaute. Ich war kurz davor etwas zu sagen. Vielleicht schaute er mal wenige Sekunden weg. Aber solche ewig langen, eindeutigen und aufdringlichen Blicke habe ich selten gesehen. Nathalie hat davon, so glaube ich, nichts mitbekommen und ich wollte das Thema auch nicht noch einmal ansprechen.
Ich bin immer sehr aufmerksam. Und beobachte sehr genau. Was ich in den letzten zwei Wochen mitbekommen habe, gefällt mir überhaupt nicht. Wenn ich etwas breiter gebaut wäre, hätte ich wohl schon die ein oder andere Schlägerei angefangen. Das war die meinige Sicht auf dieses Thema. Wahrscheinlich werde ich darauf noch einige Male zurückkommen. Und hoffentlich auch über positive Ausnahmen berichten können. So aber würde ich mich stark wundern, wenn ein Israeli zu einer Volontärin von uns nett ist, ohne Hintergedanken zu haben. Als ich davor gewarnt habe, wollte mir niemand glauben. Aber recht behalten habe ich natürlich.
Zitat aus einem anderen Blog:

„[...] und ich wurde das erste mal so richtig wegen meiner blonden Haare angegraben, der Mann hätte mein Vater sein können, aber der Vergleich mit einem 'Angel fallen from the sky' schien ihm dennoch angebracht."


Schluss. Aus. Ende. Der einzige Trost bleibt, dass das Sicherheitspersonal, also immerhin ein Wächter von unserer Einrichtung recht nett zu mir ist.


Was bleibt noch von unserer Woche zu erzählen? Nach dem Sonnenuntergang sind wir am Freitag schließlich mit dem Taxi vom Strand zu unserer WG gefahren, wo wir selbst kochten. Gut, kochen ist wohl etwas übertrieben. Wir bereiteten einfach das Abendessen zu. Pita mit Hoummus, Auberginensalat, Taramas und flüssigem Frischkäse, je nach Geschmack. Dazu Tomaten/Gurkensalat und Falafel. Am Samstag schliefen wir etwas aus und verbrachten die Zeit bis zum Nachmittag in der Wohnung. Gemeinsam mit Rachel machten wir uns dann zu Fuß auf den Weg zu Shopping Mall. Natürlich achtete niemand genau auf den Weg, mit dem Ergebnis, dass wir einen Umweg gingen. Mit meinem erstklassigen Orientierungssinn fanden wir aber schließlich das Einkaufszentrum. Ich möchte ja nichts sagen, aber ich bin bis jetzt 2 Tage in Herzliya und Rachel schon mehrere Monate ;) Die Shopping Mall an sich ist nichts Besonderes. Wie überall auf der Welt gibt es einen H&M, Schmuckgeschäfte, Kleidungsgeschäfte und Elektronikfachmärkte. Da stellt sich die interessante Frage: Wieso hatten gefühlt alle Bewohner Herzliyas die gleiche Idee wie wir, Samstagnachmittag in die Mall zu gehen? Wir blieben nicht lange und machten uns mit dem Bus auf den Rückweg. Leider ging es mir am Abend immer schlechter. Nathalie ist schon seit ein paar Tagen krank und es scheint, als hätte ich mich angesteckt. Und das genau jetzt, wo morgen die mein erster Arbeitstag ist. Also schnell ab ins Bett. Tee trinken und gute Nacht.