... kommt ein neuer Bericht. Leider komme ich meistens erst in den folgenden Tagen dazu, Bilder hochzuladen. Nun bin ich schon einen Monat in Israel und es ist
schon über anderthalb Monate her, dass ich zuletzt deutschen Boden
betrat. Und bis jetzt war jeder dieser Tage erfolgreich, spannend und
lehrreich. Auch diese Woche ist wieder einiges passiert, dass
vielleicht so machen interessieren wird. Letzten Sonntag ist Rachel
abgefahren und wir sind jetzt, genau wie vorgesehen, zu viert in der
WG. Natürlich waren wir auf der einen Seite traurig, aber auf der
anderen Seite wäre es Dauer auch keine Lösung gewesen, dass sie im
Wohnzimmer schläft. Andere allgemeine Neuigkeiten gibt es nicht,
sowohl das Internet braucht noch, bis es repariert ist, außerdem
wird es noch dauern bis wir Fahrräder kriegen, bis wir einen
Sprachkurs bekommen und bis wir eine Jahreskarte für den Herzliya
Country Club erhalten. Man muss sich gedulden. Inzwischen habe ich unseren
Fernseher mit Satellitenschüssel so einstellten können, dass wir
deutsche Sender empfangen können. RTL, SAT1 und 3SAT ist neben
vielen hebräischen, arabischen und russischen Kanälen möglich. Mittlererweile habe ich einige Bilder von der Anreise hochgeladen, die man hier findet. Man kann sogar teilweise auf der Karte die GPS-Koordinaten der Bilder anschauen und genau nachschauen, wo welches Bild aufgenommen wurde.
Am Montag habe ich dann als einziger Betreuer meiner Gruppe einen Ausflug mitgemacht, bei dem nur 2 Behinderte von unserer Gruppe mitkamen, auf die ich gut aufpassen konnte. Ziel war wieder ein Café an der Strandpromenade von Herzliya Pituach.
Jeder bekam ein Eis und Getränke nach Wunsch. Mir hat der Ausflug richtig Spaß gemacht und ich finde es auch gut von Rivka, dass sie mich da mitgeschickt hat. Manche von der WG waren noch auf gar keinem Ausflug dabei und ich jetzt schon auf dem zweiten. Dieses Mal waren wir insgesamt 15 Behinderte und 2 Angestellte. Mit dabei war die gebürtige Rumänin Rita, deren Familie nach Israel ausgewandert ist, als sie fünf war. Rita versteht deutsch und arbeitet in einem anderen Haus; nur weil sie einmal als Vertretung in unserem Haus war kannte ich sie schon. Die andere Kollegin, die mit dabei war ist Russin und arbeitet in einer anderen Abteilung in meinem Haus.
Nachdem wir allen Behinderten den Mund abgewischt hatten, spazierten wir noch etwas an der beleuchteten Promenade (es wird jetzt schon um halb 6 dunkel!) und stiegen in den Kleinbus, der uns wieder in die Einrichtung brachte. Mit dem Abendessen hat man auf uns gewartet und so bekamen die Ausflügler auch noch etwas.
Von Dienstagabend bis Mittwochabend fand einer der höchsten jüdischen Feiertage statt: Jom Kippur. Viele Leute fasten 24 Stunden und niemand darf Auto/Bus/Taxi fahren, mit Ausnahme von Krankenwagen. Alle Straßen sind an diesem Tag voller Menschen, ganz in weiß gekleidet. Am Versöhnungstag will man seine Schuld loswerden und danach guten Gewissens in das neue Jahr starten. Unsere Mitarbeiter (die nicht religiös sind) wurden übrigens mit einem Krankenwagenbus von zu Hause abgeholt und zur Arbeit gebracht, anders wären sie nicht ins Levzeller gekommen.
Aus dem Donnerstag wurde für mich ein sehr langer Arbeitstag. Ein Mitarbeiter musste ins Krankenhaus und deshalb habe ich Morgen- und Abendschicht übernommen. Abends kamen zwei Musikerinnen auf unseren Hof und tanzten und sangen mit den Behinderten. Die meisten lieben Musik. Itai, ein etwas jüngerer Behinderter ist bei mir und hört jeden Tag verschiedene CD's. Von israelischen Interpreten wie Shiri Maimon und Moshe Ben Ari bis hin zu klassischer europäischer Musik von Beethoven, Mozart und Tschaikowsky. Immer begleitet von Körperbewegungen im Rhythmus der Musik. Und Itai freut sich immer , wenn ich den Interpreten kenne - wobei ich da meistens nur einen kurzen Blick auf das CD-Cover werfen muss. Nach der Musikvorstellung im Hof gab es Falafel zum Abendessen und als Nachtisch Eis. Meine Kollegin war mal wieder besonders großzügig: sie hat mich in die Küche gerufen und mit dort eine große Schüssel voller Falafelkugeln und Hummous gefüllt. Außerdem gab sie mir Eis, für die anderen, die keine Schicht hatten. Das Eis gab es nur für die Behinderten und nicht im Personalraum - und so brachte ich alles schnell in die Wohnung und die Freude in der WG war groß. Ich musste aber noch meine Schicht beenden.
Verhungern müssen wir hier wirklich nicht. Obwohl das Essen nicht unbedingt das Beste ist (aber meistens ist mindestens eine Mahlzeit am Tag gut), mag ich es. Für die Behinderten ist z.B. das Gemüse recht weichgekocht und das Fleisch sehr zart. Das gleiche Fleisch gibt es auch für die Mitarbeiter. Ansonsten bekommen wir zusätzlich zu den 3 Mahlzeiten, die wir JEDEN Tag einnehmen können, egal ob wir arbeiten, oder nicht, noch ein Essenspaket pro Woche. Brot, Milch, Eier, Hummous, Frischkäse, Obst, Gemüse, Cornflakes... Da kann man sich z.B. etwas an den Strand mitnehmen oder für Ausflüge einpacken. Man kann aber auch zum kleinen Speiseraum für die Mitarbeiter gehen und von dort das Essen einpacken und als "Lunchpaket" zu einem Ausflug mitnehmen. Das klingt alles so, als hätte man hier keine Ausgaben; leider ist das Gegenteil der Fall. Die Busfahrten summieren sich schnell, außerdem zahlt jeder 50 NIS (10€) pro Monat in die WG-Kasse ein, von der Kabapulver oder allgemein nützliches gekauft wird. Eine Packung Kekse kostet knapp 3€, Bäckereien sind auch teuer, eine Pizza Magharita zum Mitnehmen kostet 10€. Und das ist überall in Israel so. Sobald man jemanden besuchen geht oder einen Ausflug macht, geht das Geld weg wie nichts. Ohne, dass man sich Luxus oder dergleichen leistet.
Genug gejammert. Am Freitag fuhr ich nach Rischon Le Zion, der viertgrößten Stadt Israels, um andere Freiwillige zu besuchen. Max, Daniel, Flo und David wohnen in einer relativ großen Wohnung in einer Siedlung etwa 10 Minuten zu Fuß von ihrer Arbeitsstelle entfernt. Bis jetzt haben sie keine Möbel und keine Klimaanlage, dafür aber im Gegensatz zu uns einen Backofen.
Abends spazierte ich mit Daniel durch Rischon, wo natürlich dank Schabbat alle Geschäfte geschlossen hatten. Bis Schabbatende am frühen Samstagabend blieb ich bei ihnen. Wir unterhielten uns über die Behinderten, die bei ihnen schwieriger sind als bei uns, denn in der Einrichtung in Rischon leben Autisten. Ich hatte sogar Gelegenheit, einen kurzen Einblick in die Einrichtung zu bekommen. Alles ist viel kleiner als bei uns. Im Prinzip ist sind es zwei Häuser, die sich nicht von Wohnhäusern unterscheiden und mitten in einem Wohngebiet gelegen sind.
Anschließend fuhr ich nach Jerusalem zu meiner Tante. Beim Umsteigen in Tel Aviv traf ich zufällig Jacques, einen Freiwilligen der in Jerusalem arbeitet. Und als wir gemeinsam in der heiligen Stadt ankamen, begann es sofort in Strömen zu regnen.
Am Montag habe ich dann als einziger Betreuer meiner Gruppe einen Ausflug mitgemacht, bei dem nur 2 Behinderte von unserer Gruppe mitkamen, auf die ich gut aufpassen konnte. Ziel war wieder ein Café an der Strandpromenade von Herzliya Pituach.
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| Die Behinderten an der Strandpromenade von Pituach |
Jeder bekam ein Eis und Getränke nach Wunsch. Mir hat der Ausflug richtig Spaß gemacht und ich finde es auch gut von Rivka, dass sie mich da mitgeschickt hat. Manche von der WG waren noch auf gar keinem Ausflug dabei und ich jetzt schon auf dem zweiten. Dieses Mal waren wir insgesamt 15 Behinderte und 2 Angestellte. Mit dabei war die gebürtige Rumänin Rita, deren Familie nach Israel ausgewandert ist, als sie fünf war. Rita versteht deutsch und arbeitet in einem anderen Haus; nur weil sie einmal als Vertretung in unserem Haus war kannte ich sie schon. Die andere Kollegin, die mit dabei war ist Russin und arbeitet in einer anderen Abteilung in meinem Haus.
| Grössere Fotos von den Behinderten darf man wohl nicht veröffentlichen |
Nachdem wir allen Behinderten den Mund abgewischt hatten, spazierten wir noch etwas an der beleuchteten Promenade (es wird jetzt schon um halb 6 dunkel!) und stiegen in den Kleinbus, der uns wieder in die Einrichtung brachte. Mit dem Abendessen hat man auf uns gewartet und so bekamen die Ausflügler auch noch etwas.
Von Dienstagabend bis Mittwochabend fand einer der höchsten jüdischen Feiertage statt: Jom Kippur. Viele Leute fasten 24 Stunden und niemand darf Auto/Bus/Taxi fahren, mit Ausnahme von Krankenwagen. Alle Straßen sind an diesem Tag voller Menschen, ganz in weiß gekleidet. Am Versöhnungstag will man seine Schuld loswerden und danach guten Gewissens in das neue Jahr starten. Unsere Mitarbeiter (die nicht religiös sind) wurden übrigens mit einem Krankenwagenbus von zu Hause abgeholt und zur Arbeit gebracht, anders wären sie nicht ins Levzeller gekommen.
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| Jom Kippur in Herzliya: Menschen auf den Hauptstraßen, wie überall in Israel an diesem Tag |
Aus dem Donnerstag wurde für mich ein sehr langer Arbeitstag. Ein Mitarbeiter musste ins Krankenhaus und deshalb habe ich Morgen- und Abendschicht übernommen. Abends kamen zwei Musikerinnen auf unseren Hof und tanzten und sangen mit den Behinderten. Die meisten lieben Musik. Itai, ein etwas jüngerer Behinderter ist bei mir und hört jeden Tag verschiedene CD's. Von israelischen Interpreten wie Shiri Maimon und Moshe Ben Ari bis hin zu klassischer europäischer Musik von Beethoven, Mozart und Tschaikowsky. Immer begleitet von Körperbewegungen im Rhythmus der Musik. Und Itai freut sich immer , wenn ich den Interpreten kenne - wobei ich da meistens nur einen kurzen Blick auf das CD-Cover werfen muss. Nach der Musikvorstellung im Hof gab es Falafel zum Abendessen und als Nachtisch Eis. Meine Kollegin war mal wieder besonders großzügig: sie hat mich in die Küche gerufen und mit dort eine große Schüssel voller Falafelkugeln und Hummous gefüllt. Außerdem gab sie mir Eis, für die anderen, die keine Schicht hatten. Das Eis gab es nur für die Behinderten und nicht im Personalraum - und so brachte ich alles schnell in die Wohnung und die Freude in der WG war groß. Ich musste aber noch meine Schicht beenden.
Verhungern müssen wir hier wirklich nicht. Obwohl das Essen nicht unbedingt das Beste ist (aber meistens ist mindestens eine Mahlzeit am Tag gut), mag ich es. Für die Behinderten ist z.B. das Gemüse recht weichgekocht und das Fleisch sehr zart. Das gleiche Fleisch gibt es auch für die Mitarbeiter. Ansonsten bekommen wir zusätzlich zu den 3 Mahlzeiten, die wir JEDEN Tag einnehmen können, egal ob wir arbeiten, oder nicht, noch ein Essenspaket pro Woche. Brot, Milch, Eier, Hummous, Frischkäse, Obst, Gemüse, Cornflakes... Da kann man sich z.B. etwas an den Strand mitnehmen oder für Ausflüge einpacken. Man kann aber auch zum kleinen Speiseraum für die Mitarbeiter gehen und von dort das Essen einpacken und als "Lunchpaket" zu einem Ausflug mitnehmen. Das klingt alles so, als hätte man hier keine Ausgaben; leider ist das Gegenteil der Fall. Die Busfahrten summieren sich schnell, außerdem zahlt jeder 50 NIS (10€) pro Monat in die WG-Kasse ein, von der Kabapulver oder allgemein nützliches gekauft wird. Eine Packung Kekse kostet knapp 3€, Bäckereien sind auch teuer, eine Pizza Magharita zum Mitnehmen kostet 10€. Und das ist überall in Israel so. Sobald man jemanden besuchen geht oder einen Ausflug macht, geht das Geld weg wie nichts. Ohne, dass man sich Luxus oder dergleichen leistet.
Genug gejammert. Am Freitag fuhr ich nach Rischon Le Zion, der viertgrößten Stadt Israels, um andere Freiwillige zu besuchen. Max, Daniel, Flo und David wohnen in einer relativ großen Wohnung in einer Siedlung etwa 10 Minuten zu Fuß von ihrer Arbeitsstelle entfernt. Bis jetzt haben sie keine Möbel und keine Klimaanlage, dafür aber im Gegensatz zu uns einen Backofen.
| Ausblick: Wohnviertel in Rischon Le Zion |
Abends spazierte ich mit Daniel durch Rischon, wo natürlich dank Schabbat alle Geschäfte geschlossen hatten. Bis Schabbatende am frühen Samstagabend blieb ich bei ihnen. Wir unterhielten uns über die Behinderten, die bei ihnen schwieriger sind als bei uns, denn in der Einrichtung in Rischon leben Autisten. Ich hatte sogar Gelegenheit, einen kurzen Einblick in die Einrichtung zu bekommen. Alles ist viel kleiner als bei uns. Im Prinzip ist sind es zwei Häuser, die sich nicht von Wohnhäusern unterscheiden und mitten in einem Wohngebiet gelegen sind.
Anschließend fuhr ich nach Jerusalem zu meiner Tante. Beim Umsteigen in Tel Aviv traf ich zufällig Jacques, einen Freiwilligen der in Jerusalem arbeitet. Und als wir gemeinsam in der heiligen Stadt ankamen, begann es sofort in Strömen zu regnen.

