Samstag, 22. September 2012

Rosch HaSchana


Am Sonntagabend waren wir zu Rosch Ha Schana bei einer Familie eingeladen, die eine Behinderte pflegt, welche halbtags bei uns in Levzeller untergebracht ist. Für die häusliche Pflege ist die philippinische Hausangestellte veranwortlich. Um 19 Uhr wurden wir also abgeholt und standen gleich im Stau. Jeder fährt um diese Uhrzeit zum Neujahrsessen bei Familie, Verwandten oder Freunden. Das Haus der Familie ist in einem Moschaf, ca. 10 km nördlich Herzliyas gelegen. Freundlich wurden wir durch die Großfamilie begrüßt und nach einigen aufgesagten Gebeten ging es ans Essen.

Nur ein Teil aller Speisen ist im Bild!

Eine Suppe mit Fleischpflanzerln stellte die Vorspeise da. Danach wurde alle möglichen Hauptspeisen aufgetischt, von denen sich jeder so viel nehmen konnte, wie er wollte. Gefillte Fisch, Fischfilet, Rinderbraten mit Kräutern, Schnitzel, Leberpastete, Ochsenzungen, gefüllte Paprika... Als Beilagen wurden jede Menge verschiedener Salate zubereitet, wie Auberginensalat oder süßer Salat mit Äpfeln, Honig und Nüssen. Die Menge wäre für die doppelte Anzahl an Leuten noch zuviel gewesen! Abschließend gab es verschiedene Kuchen, Eiskonfekt und Schokolade als Dessert. Vollkommen gesättigt saßen wir noch weiter auf der Terrasse, denn es gab nun Kaffee und Tee. Für lustige Momente sorgte immer wieder die 1 ½ Jahre alte Enkeltochter des Gastgebers, die sich nach dem Essen die ganze Schokolade im Gesicht verschmierte. Bevor wir wieder nach Hause gefahren wurden, bekamen wir sogar noch kleine Geschenke: belgische Trüffel und eine Tasse.

Süüüüüüss!

Die nächsten beiden Tage hatte ich frei und war am Strand sowie Ewigkeiten mit Rachel gemeinsam nach Flip-Flops schauen, weil meine ausgerissen sind. Leider war die Suche vergeblich. Entweder übertrieben teuer oder die Schuhgröße zu klein.

Nichts außergewöhnliches passierte am Mittwoch und Donnerstag. Beide Male arbeitete ich zur Frühschicht. Am Donnerstagabend machte sich die WG auf zum Abschiedsessen für Rachel. Wir gingen in ein Pancake-Restaurant. Hier gibt es die dicken, süßen und ungesunden Pfannkuchen in allen möglichen Varianten. Mit Nutella, Eis, Nüssen, Sahne, Marmelade oder pikant mit Ei und Käse. Schlecht hat es nicht geschmeckt. Aber haute-cuisine ist etwas anderes. Anschließend fuhr Rachel wieder nach Hause und Rahel, Hanna und ich fuhren nach Tel Aviv, wo wir schließlich um 0 Uhr ankamen und gleich in die belebte Rothschild Boulevard gingen. Wir trafen Stefan, Maira, Almut, Linda, Henriette und Caroline, mit denen wir die Nacht verbrachten. Dummerweise musste ich im Gegensatz zu den anderen am nächsten Tag arbeiten. Um 5 Uhr waren wir total übermüdet in unserer WG (das Sicherheitspersonal von Levzeller arbeitet 24h und hat uns natürlich aufgemacht). Um 6 Uhr duschte ich mich, trank 2 Tassen Kaffee mit jeweils 3 gehäuften Löffeln und eine halbe Stunde später weckte ich schon die Behinderten. Den ganzen Vormittag war ich übermüdet. Und nach Dienstende schlief ich bis zum Abendessen.

Samstags hatte ich wenigstens Spätschicht. Da die Klimaanlage in unsere Abteilung nicht einwandfrei lief, zeigte Sergej seine handwerklichen Fähigkeiten. Mit russischem Geschick und begleitet vom Lachen der Behinderten hat er es wirklich geschafft. Obwohl morgen Herbstbeginn ist, hat es hier in den letzen Monaten keinen Tropfen geregnet und mehr als eine handvoll Wolken sind nie am Himmel zu sehen. Man braucht also auch Ende September durchaus eine Klimaanlage. Vor 2 Tagen habe ich mich übrigens mit meiner Chefin Rivka unterhalten, ob sie nicht noch mehr Hilfe brauchen. Das hat sie natürlich sehr gefreut. Heute half ich dann auch noch bei Abteilung Nummer 5. Ganz kurz zur Übersicht: im Levzeller gibt es vier Häuser. Jeder von unserer WG ist in einem anderen Haus, nur Rahel ist in meinem Haus, weil das das größte ist. In jedem Haus gibt es Abteilungen. Bei uns ist die 1. und 2. im Erdgeschoss. Dort arbeitet Rahel. Mit den Behinderten habe ich nichts zu tun. Und meine Arbeitskollegen auch nicht. Wir sind für Abteilung 3, 4 und 5 zuständig, welche sich im 1. und 2. Stock befinden und auch per Aufzug (wegen den Rollstuhlfahrern) erreichbar sind. Mein Schwerpunkt ist in der Morgenschicht Abteilung 4 (mit sehr aktiven und lauten, dafür aber selbstständigeren Behinderten) und Abends Abteilung 5.
An Schabbat verbringen alle den späten Nachmittag auf dem Hof. Und folgendes Ereignis möchte ich gern noch erzählen: Während alle auf dem Hof sich unterhielten oder warteten kam Rachel, um noch mal alle zu sehen, obwohl sie keinen Dienst hat. Morgen kommen ihre Eltern und sie wird Levzeller verlassen. Natürlich fällt ihr der Abschied schwer und sie ist traurig. Rivka tröstete sie und musste dann auch weinen. Nachdem Rachel zu unserer Wohnung ging, rief mich Rivka und meinte, dass ich zu Rachel gehen und sie trösten soll. In unserer Wohnung war Rachel dann gar nicht mehr so traurig, aber sie erzählte mir, dass Rivka meinte, dass sie auch traurig sei, dass sie (Rachel) wieder nach Deutschland geht. Aber Rivka, so Rachel, hat auch noch gemeint wie glücklich sie ist, dass mich (David!) hat, und darauf dann auch geweint. Obwohl Rachel eigentlich nichts mit Rivka zu tun hat, unterhalten sich beide oft und Rachel hat mir verraten, dass Rivka ständig von mir schwärmt. Und so etwas hört man doch gerne! Rivka hat wir diese Woche übrigens einen Kuchen und Süßigkeiten geschenkt. Einfach so!

Nach dem Abendessen duschte ich einige Behinderte, wechselte Windeln und zog ihnen die Schlafkleidung an. Und so endete die Woche. Heute Nacht ist Zeitumstellung und damit sind wir dann für ungefähr einen Monat mit Deutschland in der gleichen Zeitzone.