Samstag, 13. Oktober 2012

Fahrradfahren

Am Anfang der Woche bekamen wir endlich die versprochenen Fahrräder. Insgesamt 4 gebrauchte Mountainbikes in fahrbarem Zustand mit Schlössern brachte uns Moti, der Chef der Einrichtung vorbei. Da die Anderen arbeiten mussten, machte ich sofort alleine einen Ausflug in die Umgebung. Ich fuhr nordwärts nach Ra'anana und nach der Stadt fand ich einen Weg der durch Zitrusplantagen führt. Leider sahen alle Früchte wie auf dem Bild aus: grün und noch nicht reif. Im Dezember würde man hier durch eine gelb-orange Landschaft fahren. Meine letzte Kraft hob ich mir für einen steilen Hügel auf, von dem man eine Sicht über die Umgebung hat. Man kann die Landschaft vom Meer bis zu den Palästinensergebieten und von Netanya bis nach Tel Aviv betrachten.


Zitrusplantagen

Über die Arbeit mit den Behinderten gibt es wenig Neues zu erzählen. Sie macht mir nach wie vor sehr viel Spaß. Und auch die Mitarbeiter sind sehr nett. Am Mittwoch war ich gerade dabei zu Fuß ins Zentrum zu gehen, um mich mal etwas zu bewegen, weil man bei der Arbeit die meiste Zeit sitzt oder steht. „You go Center?“ rief mir eine Mitarbeiterin nach, obwohl ich schon einige Meter entfernt war. Sie nahm mich im Auto mit, obwohl sie nicht mit mir zusammenarbeitet und ich sie noch gar nicht richtig kannte. Mit einem Sicherheitsmann (der leider nicht so oft hier arbeitet) habe ich diese Woche Filme im kleinen Wachhaus beim Eingang geschaut und Bilder angeschaut. Das Personal, dass parallel dazu Nachtschicht hatte, brachte uns Kekse. Es herrscht immer eine gute Atmosphäre.

Am Freitag machten wir den längsten Fahrradausflug bis jetzt. Mit Hannah und Natalie fuhr ich ca. 18km bis zum Künstlermarkt Nahalat Binyamin, der in der Tel Aviver Innenstadt gelegen ist. 

Abfahrt vor unserer WG in der Früh
Kurz vor Tel Aviv

Die Strecke führt teils am Meer entlang und ist sehr schön. Auf dem Künstlermarkt findet man eine große Auswahl an Schmuck und Dekorationsobjekten, bunten Seifen und kleinen Gemälden. Unserer Räder sperrten wir vor dem Besuch selbstverständlich gut ab und nahmen die Sattel im Rucksack mit. Fahrräder werden in Tel Aviv gerne gestohlen, damit haben die anderen Freiwilligen auch schon eine bittere Erfahrung machen müssen. Da Schmuck eher weniger mein Fall ist, leistete ich mir schließlich ein Eis in der Rothschild Blvd.

Wunderschöne Ketten auf dem Künstlermarkt in Tel Aviv
Vanille und Cookies

Insgesamt war der Ausflug zwar lang (36km), aber der Weg hat sich auf jeden Fall gelohnt. Auf den Künstlermarkt möchte ich jeder Zeit wieder gehen und mir irgendwann auch eine Kleinigkeit zulegen. Übrigens haben wir um 8 Uhr noch Frühstück in der Einrichtung gegessen, uns ein Lunchpaket gemacht (wir konnten uns dadurch Kosten für ein Mittagessen sparen) und sind vor dem Abendessen schon wieder angekommen.
Auf nächste Woche bin ich sehr gespannt, denn am Dienstag steht ein Tagesausflug nach Jerusalem, organisiert von der Einrichtung, an. Außerdem haben wir nun Jahreskarten vom Country Club Herzliya, der Innen und Außen Swimming Pools, einen Whirlpool und Sauna hat. Wahrscheinlich werde ich aber in den nächsten Wochen noch eher zum Meer fahren, weil man nur noch einen knappen Monat angenehm Baden kann. Danach gehen die Wassertemperaturen unter 20°C. Den Country Club kann man den ganzen Winter besuchen. Insgesamt bin ich froh, wenn ich jeden Morgen genau mit der Sonne aufstehe, und quer über den Hof zur Arbeit gehe. Ich bekomme nichts von schlechtem deutschen Wetter mit. Nur von lächerlichen Meldungen (da haut es mir fast den Laptop aus der Hand), dass nach Massenmörder Henry Kissinger, Terroristenmacher Jassir Arafat und einem gewaltstiftenden Barack Obama nun die Führung der EU mit einem Friedensnobelpreis 'geehrt' wird, leider schon.